Denkanstoss zum Thema Gleichstellung
| Von guidoetterlin @ 00:47 | [ Reden ] |
Ansprache an der kantonalen Denkwerkstatt Gleichstellung im Stadthof Rorschach:
Sehr geehrte Damen und Herren
Ich heisse Sie im Namen von Stadt Rorschach und Schule Rorschach herzlich willkommen bei uns im Stadthof. Ich freue mich, dass Sie den Weg auf sich genommen haben, nach Rorschach zu kommen und sich Gedanken zu machen über Gleichstellung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sowie Lohngleichheit.
Als politischer Vertreter der Stadt möchte ich mir nicht anmassen, fachliche Inputs zu dieser komplexen Themenstellung abzugeben. Ich habe Ihr Arbeitsprogramm studiert und festgestellt, dass Sie da problemlos auf Ihre Kosten kommen werden. Ich gehe aber davon aus, dass Sie sich für den Stand der Gleichstellung in der Stadt und Schule Rorschach interessieren.
Für Rorschach darf ich behaupten, dass es weder in der Stadt noch in der Schule Anlass gibt, sich Sorgen zu machen über Lohnnachteile. Unsere Lohnreglemente sehen die Geschlechterunabhängige Besoldung in allen Belangen vor. Es ist mir auch nicht bekannt, dass Klagen diesbezüglich in den vergangenen Jahren laut geworden wären.
Bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf, stelle ich fest, dass flexible Anstellungen, Jahresarbeitszeitmodelle, 4-Tageswoche, 4,5 Tageswoche, Jobsharing auf dem Vormarsch sind. Ich werde ihnen dazu auch noch aktuelle Zahlen aus der Schule liefern können.
In zwei Segementen orte ich Handlungsbedarf: Kader und Gender-Balance
Kader
Der Stadtrat ein reines Männergremium. In den letzten Wahlgängen haben alle Parteien versucht, eine Frau zu finden, die für den Stadtrat kandidieren würde. Vergeblich. Mein persönliche Fazit dazu: Eine Vertretung der Frauen im Stadtrat ist notwendig!
Der Schulrat hingegen ist ein ausgelichenes Gremium 50%/50%. Auffallend: Die Verweildauer von Frauen im Amt ist ungleich kürzer, als derjenige der männlichen Mitglieder: Mein persönliches Fazit: Wir haben ein Problem mit Vereinbarkeit Beruf-Familie-Ehrenamt
Die Schulleitungskonferenz setzt sich zusammen aus 2 Frauen im Jobsharing, und 3 Männern nicht im Jobsharing. Mein Fazit: Wir sind auf gutem Wege.
Die Geschäftleitung der Stadt ist ein reines Männergremium: Mein Fazit: fast keine Aussicht, dass sich in den nächsten Jahren da etwas grundlegend ändert. Ich warte auf Ihre Inputs.
Genderbalance (in der Schule)
Meiner Meinung nach ist die Schule (nicht nur Rorschach) eine Vorzeigeinstitution, wo die Gleichstellung perfekt umgesetzt ist.
Es stehen aber gerade deswegen grosse Herausforderungen an. Die Genderbalance kippt. Ich frage mich: Wo bleiben die LEHRER?
In zwei meiner Primarschulhäusern arbeiten ausschliesslich Frauen. Die machen eine hervorragende Arbeit. In einem sozialen Umfeld mit auffällig vielen Kindern, die nur von einem Elternteil betreut sind (und da sind es zu 95% die Mütter) in einem Umfeld mit einen hohen Anteil an Migranten, die noch ein etwas anders gelagertes Frauenbild prägen, ist das eine tägliche Herausforderung.
Damit zu den Zahlen:
Alle 130 Mitarbeitenden: 75 % Frauenquote
Teilzeitbeschäftige bis 50% (40) 90 % Frauenquote
51 bis 80% (27) 85 % Frauenquote
Vollzeit 81-100 (50) 62 % Frauenquote
Die Schulen und allg. der Lehrberuf muss darauf achten, dass er für Männer wieder attraktiver wird, ohne dass die Errungenschaften für die Frauen zu stark beeinträchtigt werden. Ich denke da an die Vorbildlichen Teilzeitmodelle, problemloses Jobsharing, und attraktive Bedingungen für Wiedereinsteigerinnen.
Zwei Themen am Rand zum Abschluss:
Mutterschaftsurlaub:
Wer es sich leisten kann, begnügt sich nicht mit den 14 Wochen, sondern verlängert zu eigenen Lasten auf ein halbes Jahr. Wir bewilligen ausnahmlos diese Anträge. Ein Problem stellt sich neuerdings: Gegen Ende des unbezahlten Urlaubs kommt eine sece Mitteilung, man/Frau komme gar nicht mehr zurück. Mein Fazit trotzdem: Der Mutterschaftsurlaub muss ausgebaut.
Kindergärtnerinnen
Unter dem Aspekt der Gleichstellung sind die Kindergärtnerinnen zu recht den Lehrpersonen lohnmässig gleichgestellt worden. Es hat jetzt aber auch die Konsequenz, dass sie auch die gleiche Ausbildung durchlaufen müssen. Viele in hohem Masse geeignete Jugendliche sind von diesem interessanten Berufsfeld nun ausgeschlossen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen eine spannende Tagung mit wertvollen Diskussionen und unserer schönen, spannenden und – aufstrebenden – Marktstadt Rorschach. Danke.
Rorschach, 21. Januar 2009
Guido Etterlin
Stadtrat
Sehr geehrte Damen und Herren
Ich heisse Sie im Namen von Stadt Rorschach und Schule Rorschach herzlich willkommen bei uns im Stadthof. Ich freue mich, dass Sie den Weg auf sich genommen haben, nach Rorschach zu kommen und sich Gedanken zu machen über Gleichstellung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sowie Lohngleichheit.
Als politischer Vertreter der Stadt möchte ich mir nicht anmassen, fachliche Inputs zu dieser komplexen Themenstellung abzugeben. Ich habe Ihr Arbeitsprogramm studiert und festgestellt, dass Sie da problemlos auf Ihre Kosten kommen werden. Ich gehe aber davon aus, dass Sie sich für den Stand der Gleichstellung in der Stadt und Schule Rorschach interessieren.
Für Rorschach darf ich behaupten, dass es weder in der Stadt noch in der Schule Anlass gibt, sich Sorgen zu machen über Lohnnachteile. Unsere Lohnreglemente sehen die Geschlechterunabhängige Besoldung in allen Belangen vor. Es ist mir auch nicht bekannt, dass Klagen diesbezüglich in den vergangenen Jahren laut geworden wären.
Bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf, stelle ich fest, dass flexible Anstellungen, Jahresarbeitszeitmodelle, 4-Tageswoche, 4,5 Tageswoche, Jobsharing auf dem Vormarsch sind. Ich werde ihnen dazu auch noch aktuelle Zahlen aus der Schule liefern können.
In zwei Segementen orte ich Handlungsbedarf: Kader und Gender-Balance
Kader
Der Stadtrat ein reines Männergremium. In den letzten Wahlgängen haben alle Parteien versucht, eine Frau zu finden, die für den Stadtrat kandidieren würde. Vergeblich. Mein persönliche Fazit dazu: Eine Vertretung der Frauen im Stadtrat ist notwendig!
Der Schulrat hingegen ist ein ausgelichenes Gremium 50%/50%. Auffallend: Die Verweildauer von Frauen im Amt ist ungleich kürzer, als derjenige der männlichen Mitglieder: Mein persönliches Fazit: Wir haben ein Problem mit Vereinbarkeit Beruf-Familie-Ehrenamt
Die Schulleitungskonferenz setzt sich zusammen aus 2 Frauen im Jobsharing, und 3 Männern nicht im Jobsharing. Mein Fazit: Wir sind auf gutem Wege.
Die Geschäftleitung der Stadt ist ein reines Männergremium: Mein Fazit: fast keine Aussicht, dass sich in den nächsten Jahren da etwas grundlegend ändert. Ich warte auf Ihre Inputs.
Genderbalance (in der Schule)
Meiner Meinung nach ist die Schule (nicht nur Rorschach) eine Vorzeigeinstitution, wo die Gleichstellung perfekt umgesetzt ist.
Es stehen aber gerade deswegen grosse Herausforderungen an. Die Genderbalance kippt. Ich frage mich: Wo bleiben die LEHRER?
In zwei meiner Primarschulhäusern arbeiten ausschliesslich Frauen. Die machen eine hervorragende Arbeit. In einem sozialen Umfeld mit auffällig vielen Kindern, die nur von einem Elternteil betreut sind (und da sind es zu 95% die Mütter) in einem Umfeld mit einen hohen Anteil an Migranten, die noch ein etwas anders gelagertes Frauenbild prägen, ist das eine tägliche Herausforderung.
Damit zu den Zahlen:
Alle 130 Mitarbeitenden: 75 % Frauenquote
Teilzeitbeschäftige bis 50% (40) 90 % Frauenquote
51 bis 80% (27) 85 % Frauenquote
Vollzeit 81-100 (50) 62 % Frauenquote
Die Schulen und allg. der Lehrberuf muss darauf achten, dass er für Männer wieder attraktiver wird, ohne dass die Errungenschaften für die Frauen zu stark beeinträchtigt werden. Ich denke da an die Vorbildlichen Teilzeitmodelle, problemloses Jobsharing, und attraktive Bedingungen für Wiedereinsteigerinnen.
Zwei Themen am Rand zum Abschluss:
Mutterschaftsurlaub:
Wer es sich leisten kann, begnügt sich nicht mit den 14 Wochen, sondern verlängert zu eigenen Lasten auf ein halbes Jahr. Wir bewilligen ausnahmlos diese Anträge. Ein Problem stellt sich neuerdings: Gegen Ende des unbezahlten Urlaubs kommt eine sece Mitteilung, man/Frau komme gar nicht mehr zurück. Mein Fazit trotzdem: Der Mutterschaftsurlaub muss ausgebaut.
Kindergärtnerinnen
Unter dem Aspekt der Gleichstellung sind die Kindergärtnerinnen zu recht den Lehrpersonen lohnmässig gleichgestellt worden. Es hat jetzt aber auch die Konsequenz, dass sie auch die gleiche Ausbildung durchlaufen müssen. Viele in hohem Masse geeignete Jugendliche sind von diesem interessanten Berufsfeld nun ausgeschlossen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen eine spannende Tagung mit wertvollen Diskussionen und unserer schönen, spannenden und – aufstrebenden – Marktstadt Rorschach. Danke.
Rorschach, 21. Januar 2009
Guido Etterlin
Stadtrat


